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Sonntag, 14. März 2021

73/365 ...



"Durch Dankbarkeit für den gegenwärtigen Moment öffnet sich die spirituelle Dimension des Lebens."

Samstag, 13. März 2021

72/365 Ohrenwetter

Ja, ich liebe Amselgesang und den aller Singvögel, ich mag es aber genauso, wenn der Regen gegen die Fensterscheibe prasselt, wenn der Wind ums Haus pfeift und an allem rüttelt, was nicht festgemacht ist, wenn das Wasser in der Regenrinne gluckst, ich liebe es, unter dem Regenschirm zu stehen und die Augen zu schliessen, ich liebe es, in einer stürmischen Nacht vor dem Haus zu stehen und dem Wald zuzuhören, seiner dunklen Grösse, seinem geheimnisvollen Rauschen. Ich liebe es, ganz Ohr zu sein.

Freitag, 12. März 2021

71/365 Schauerneigung

Einer der Tage, die man an die Strasse stellen möchte mit dem Schild: "Gratis zum Mitnehmen". Ich würde mich daneben setzen und mich mitnehmen lassen, falls jemand kommt, der eine Schulter hat zum Anlehnen. 
Dabei hat er so lichtvoll begonnen, dieser Freitag, mit einem Regenvorhang zwischen mir und der aufgehenden Morgensonne.


Donnerstag, 11. März 2021

70/365 Augenblick

Nach der Pause. Von allen Seiten strömen kleine und grosse Menschen Treppen hoch und Gänge entlang. Mitten drin hüpfgt beschwingt ein kleines Mädchen in Begleitung von Mutter und Logopädin. Ich sehe es nur von hinten und freue mich über den Anmut dieses kleinen Wesens. Plötzlich bemerke ich eine gleichsam magnetische Anziehung. Ein Mädchen aus der 5. Klasse breitet die Arme aus und eilt der Kleinen entgegen, welche der Grossen in die Arme fliegt und herumgewirbelt wird. Und da erkenne ich sie alle beide, die eine, weil sie zur Klasse ein Stockwerk unter uns gehört und ihre kleine Schwester, weil ich von ihr seit ihrer Geburt weiss und sie auch schon einige Male gesehen habe. Ich gehe nochmal die paar Treppenstufen zurück, gehe zur Mutter, welche unterdessen ihre Jüngste auf dem Arm hat, begrüsse sie und versinke dann im Blick des Kindes, dieserm unendlich vertrauten, ruhigen, tiefen Blick, der in meinem ruht. Es kommt mir vor, als würden wir uns kennen seit Ewigkeit. Es ist da dieses Verstehen auf einer Ebene, die keine Worte braucht. Es ist der Zauber, den ich nur mit Mirjam erlebt habe. In dem Moment hört alles ringsum auf zu existieren.

Ich weiss nicht, wie ich die Treppe hoch gekommen bin. Irgendwann stand ich vor der geschlossenen Klassenzimmertüre, die Tränen liefen mir übers Gesicht, tropften zu Boden und ich ging den unendlich langen Weg zurück in meine Aufgabe als Klassenlehrerin um zehn Uhr dreissig an diesem elften März.

Mittwoch, 10. März 2021

69/365 Begegnung

Unterdessen freue ich mich auf jeden Weiterbildungsmittwochabend. Wir treffen uns zu zehnt in einem virtuellen Raum, machen Entspannungsübungen, tauschen uns aus, diskutieren in Kleingruppen spannende Themen. Manchmal setzt sich ein Kleinkind zu seiner Mama und winkt, manchmal geht eine kurz nach nebenan, um sich einen Pullover oder einen Tee zu holen. Mit Ausnahme von zweien kenne ich niemanden aus dem dreidimensionalen Leben. Trotzdem entsteht eine Vertrautheit, an die wir – davon bin ich überzeugt – anknüpfen könnten. 

Und heute wusste ich plötzlich, was mit diese Begegnungen so wertvoll und lieb macht: Wir begegnen uns ohne Maske! Wir sehen unsere Gesichter und verstehen auch die nonverbalen Zeichen der Mimik. Es fühlt sich so menschlich an. Im ganzen Berufsalltag gibt es keine, absolut keine Begegnungen mehr ohne verdecktes Gesicht.

Dienstag, 9. März 2021

68/365 Entwicklung

Kinderzeichnungen sind für mich etwas Wunderbares. Sie sprechen so ehrlich und reich. Gerade deshalb stehe ich nicht selten auch besorgt davor, hätte gerne jemanden, der mit mir die Frage bewegt: "Was braucht dieses Kind jetzt von mir?"

 4,5-jähriges Kindergartenkind


7,5-jähriges Erstklasskind, normal "schulreif"

Montag, 8. März 2021

67/365 Positiv

Wir haben seit Mai letzten Jahres in unserem Schulhaustrakt die chromstahlgraue Vereinsküche zum Lehrerinnenzimmer umfunktioniert. Ein kleines, rundes Klapptischchen steht zwischen Abwaschmaschine und Grosskühlschrank. Für drei Stühle reicht der Platz, sind wir mehr, gibt es hinter dem Abfalleimer und neben der Eingangstüre noch je einen Stehplatz. Wir haben uns daran gewöhnt wie an so vieles, haben es gut zusammen und sehnen uns trotzdem hie und da nach dem Rest des Teams.
Heute trafen wir uns schon im Treppenhaus und erzählten einander vom ersten Pooltestmorgen, wie die Kinder gespuckt haben und wie die Röhrchen zu bedienen sind, ob die Plastikbeutel gross genug waren, von der Hitze hinter diesen supersicheren Masken und wie die Kinder uns damit noch weniger verstehen als eh schon....
Und dann kamen wir in unsere Küche und fanden diesen Gruss von der Schulleitung.
Ist das nicht wundervoll? 
Soviel gelacht und schöne Dinge erzählt haben wir uns schon lange nicht mehr. Die zweite positive Nachricht von der Schulleitung war dann die Mitteilung, dass sämtliche Tests negativ ausgefallen sind.