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Mittwoch, 14. Juli 2021

195/365 Sommermuster



Tausend Kunstwerke laden dazu ein, sie zu einem Ganzen zu verbinden. Es ist faszinierend, so dem Pinsel-Farbenspiel des Künstlers zu begegnen. Die Hälfte der Teile ist blau. Blau in allen denkbaren Schattierungen und Verläufen. Ob die Geduld reichen wird?

Dienstag, 13. Juli 2021

194/365 Sommermuster

Was während Jahren unvorstellbar war im Sommer: Übersättigte Böden, schäumende Bäche und Flüsse, randvolle Seen, gefüllte Grundwasserspiegel. Bei „uns“. 


Montag, 12. Juli 2021

193/365 Sommermuster


Wer zählt, rechnet. Heute sind es 100 Tage seit dem Karsamstag, dem Tag, an dem mein Vater nach dem täglichen Spaziergang über Kopfschmerzen klagte und sich hinlegte, um nie wieder aufzustehen. 100 Tage zwischen dem letzten Lebensring und dem, was uns von Aussen in unserem Sein berührt. 

Sonntag, 11. Juli 2021

Samstag, 10. Juli 2021

191/365 Gewitter

Plötzlich diese Dunkelheit aus Westen, diese blaugraue Wand, der Wind, erste Tropfen auf den heissen Boden. Ich brauche mich bloss zu drehen und sehe blauen Himmel, ein paar Wolken, Heiterkeit.

Aus dem Tropfen wird ein Prasseln, ein Peitschen, ein Strömen. In kürzester Zeit läuft braune Flut über den Randstein. Blitze, auf welche unmittelbar der Donner folgt, krachend, erschütternd.

Ich stehe unter dem Dach, erstaunt, fasziniert, aber auch etwas ängstlich. Ausgeliefert sein, Kontrolle verlieren, machtlos sein, hoffen, dass alle Kinder irgendwo Schutz gefunden haben. Mutter sein. Tochter sein. Akzeptieren, was ist.

Es sind keine Wolken mehr erkennbar, auch kein Regen. Ringsum ist alles dicht, grau, undurchsichtig, es rauscht, es gurgelt. Das Gewitter ist nicht über uns, wir stehen mitten drin, wir: Das Haus, die Katzen, der Lindenbaum, die Strasse und ich.

Freitag, 9. Juli 2021

190/365 Schreibfluss hinter der Hecke

Beim Hecke-Schneiden schreibe ich seitenweise Texte. Es flutet – im Kopf. Ich traue mich plötzlich, Dinge auszusprechen, Klarheit als solche zu sehen. Die Hecke ist fertig geschnitten. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

Donnerstag, 8. Juli 2021

189/365 Trauer

Wie oft hatte ich mit Bangen an diese Zeit gedacht, daran, wie es sein würde, wenn mein Vater einmal sterben würde. Ich habe viele Menschen erlebt, die ihre Eltern verloren haben, habe ihren Schmerz gesehen, ihre Trauer, ihr Verlassenheitsgefühl und die Lücke, die sie beweinten. Mein Bangen bezog sich jedoch nicht auf den Schmerz, sondern darauf, dass ich ihn nicht fühlen würde, nicht tief genug, nicht angemessen genug. 
Und manchmal bezog es sich auf die Vorstellung, ich könnte bereuen, dass es so gewesen war wie es war, ich könnte mir Vorwürfe machen, dass ich nicht alles unternommen hatte, um das zu ändern. 
Nun lebe ich diese Zeit und das Bangen ist verflogen. Die drei Monate, in denen wir uns meist wortlos begegnet sind, haben etwas aufweichen können, haben das Richtigmachen und Rechthaben unwichtiger werden lassen. Es gab Momente, in denen ich einfach im Stillen erklärte, was ich nie hatte ausprechen können. Aus der eloquenten Persönlichkeit war ein nach Worte ringender, hilfsbedürftiger, schwacher Mensch geworden, und plötzlich umwehte ihn etwas Feines, Zartes, das den Widerstandsgeist in mir zur Ruhe kommen liess.
Dafür bin ich dankbar, und diesen Menschen auf seinem allerlestzten Weg werde ich in meinem Herzen bewahren.
Es gibt wohl einfach nicht die Trauer und ich muss und darf sehr üben, dass der oder die oder das, was mir sagen möchte, wie es sein sollte, in mir drin sitzt und dass ich die Freiheit habe, darauf zu hören oder nicht. 
Es ist wie es ist.