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Dienstag, 29. August 2017

Tagesgabe

So ein Bisschen Glück hinterlegen dem Wind sei Dank und eine kleine Portion Verzweiflung dazu. Sie mögen zusammen an den Ort geweht werden, wo sie sich verwandeln in hilfreiche Energie. Denn ewig bin ich nicht mehr bereit, dieses schmerzhaft heisse Geschrei meiner Haut zu akzeptieren. Und nun, Wind, trage es hinaus in die Nacht im hoffnungsvollen Licht der Mondsichel.

Sonntag, 27. August 2017

Abendwehen

Traurigkeit zieht um die Stunden, wie Nebel einen Wald durchschleiert. Der Wind, der sie bewegt, hat keinen Namen, doch ruft er stumm den einen. Deinen.

Samstag, 26. August 2017

Putzdienst

Es wird in meinem Alltagswortschatz jetzt vermutlich zu einer Verschiebung der Possessivpronomen kommen, wenn es um Schulen geht. Meine Herzensschule war bisher die Schule meiner Kinder, und in einer gewissen Weise wird sie das auch immer bleiben. 
In meiner neuen Schule wird zweimal die Woche jedes Zimmer geputzt. Dabei fährt der Abwart mit einer ziemlich lauten Maschine ganz langsam durch den Raum, bis alles sauber glänzt und riecht.
In der Schule, in der ich als Mutter zuhause bin, putzen die Eltern jeweils am Wochenende die Schulräume ihrer Kinder, unterstützt von einer professionellen Raumpflegerin. 
Heute hatte ich Dienst. Und irgendwie sind danach nicht nur die drei Schulzimmer sauberere als vorher, auch ich bin aufgeräumt und gestärkt.
Die Begegnung mit dem freundlichen Knochenmann im 8.-Klasszimmer hat zur Heiterkeit bestimmt ihren Beitrag geleistet. Er präsentierte sich unauffälliger als damals im April letzten Jahres und war wortkarger. Das mag jedoch auch an mir gelegen haben. Meine Gedanken hingen am Putzlappen, der da hin und her seine Bahnen zog auf dem Parkett, der nun bereits der Jügnsten für ein Jahr lang Klassenheimatboden bedeutet. Der Weisse nickte nur still und behielt die vielfältigen Beobachtungen der ersten Schulwochen für sich. Schliesslich sind es seine 8.-Klässlerinnen und 8.-Klässler!



Donnerstag, 24. August 2017

Abrechnung

Zugegeben, ich habe auf der Heimfahrt getrunken, einfach weil ich Durst hatte, keinen Alkohol, geruchsneutral, nichts verschüttet. 
Doch nach dem Aussteigen stellt sich mir einer in den Weg, noch älter als ich, und poltert los. Das heisst, seine Stimme poltert, seine Augen grinsen seltsam blau.
"Soso, die ganze Zeit trinken, endlos, als gäbe es kein Verbot, im Tram zu trinken. Aber so sind die Frauen. Tun heilig, kommen alle in den Himmel. Und geben Sie es doch zu, es ist überall dasselbe! Immer heisst es: Die Männer, die Männer! Ist es nicht so? Es sind immer die Männer, die fremd gehen. Aber dass dazu jedes mal eine Frau gehört, das könnt ihr nicht rechnen, oder?" und er zwinkert mir mit einer herausfordernden Kopfbewegung zu.

Huch. Es gibt wohl wirklich verschiedene Arten zu rechnen. Ich wünsche ihm Frieden, mehr kann ich nicht tun.

Dienstag, 22. August 2017

achtzehn

Nicht zu fassen. Nicht für mich. Das vierte Kind wird morgen volljährig. Noch liegt die Karte unbeschrieben auf dem Tisch. Ich übergebe dir nun ganz und gar die Verantwortung für dein Entscheiden, Leben und Handeln. Ich möchte mit Respekt und Achtung deinen Weg bejahen und segnen, unabhängig davon, ob er sich in meinen beschränkten Vorstellungsmustern bewegt oder nicht. 
So oder so ähnlich – und leise möchte ich mir selber ähnliches zusprechen, denn Zurückbleiben ist auch Aufbruch. Und Loslassen, das, was gelingen durfte und das andere auch.

LIVE YOUR DREAM AND SHARE YOUR PASSION.


Montag, 21. August 2017

Bankgeheimnis oder so

Die Bank, auf welcher ich damals auf das Vorstellungsgespräch gewartet habe, ist nicht mehr da. Daher habe ich mich heute in der Mittagspause auf die Suche nach Ersatz gemacht. Ich fragte eine Frau mit Hund, doch die realisierte durch meine Frage bloss, dass auch "ihre" Bank etwas weiter hinten nicht mehr da steht, wo sie immer war. So ass ich mein Mittagessen unter einem Kirschbaum.


und nahm danach den Weg, den mir die Frau empfohlen hatte. Es kam mir vor, als spaziere ich durch eine völlig andere Welt, durch eine Geschichte, die von Reifen, Wärme und Geduld erzählt.


Keine 100 Meter später fand ich dann doch noch eine Bank, zu spät, um mich zu setzen. Doch das werde ich nachholen, sie steht fünf Minuten von der Schule entfernt.


Samstag, 19. August 2017

mit Haut und Haar

Ich ahne, dass sich mir da ein neuer Lebensmittelpunkt herein geschoben hat, welcher sich nicht öffentlich machen lässt. Persönlichkeitsschutz, logischerweise. Und weil es aus Randbemerkungen und Reaktionen in Begegnungen erahnbar wurde, dass hier doch immer noch oder wieder Menschen aus meinem realen Alltagsumfeld schweigend still anwesend sind, fühle ich mich gezwungen, wenn auch nicht ganz zu schweigen, so doch sehr vorsichtig und unverfänglich alles, was mein neues berufliches Umfeld betrifft zu umgehen.
Man stelle sich einen Wind vor, welcher versucht, Fettnäpfchen zu vermeiden. Paradox! 
Die Chance für mich könnte darin liegen, immer wieder zu spüren, was ausser dieser Faszination für meine neue Aufgabe und all den kleinen und grossen Glücksmomenten noch den Weg in mein Bewusstsein findet. Denn etwas ist mir schon nach einer Woche klar: Er hat mich mit Haut und Haar und Herz und Sinn und Tag und Nacht, der neue Job.


Die Verbindung von der Schule zum Schreiben ist aus Filz und voller Leben. Sie hat davon diese Woche bereits geschrieben. Gundula und Nicolo sind umwegfrei in die Herzen der Kinder gehüpft und gerätselt und werden sie zusammen mit Liputto, dem ich ganz zufälligerweise letzte Woche in unserem Keller (wieder)begegnet bin, durch ihre ersten Schulmonate begleiten. 

Ich bin sehr, sehr glücklich, aber mindestens genauso müde.

Und wenn ich doch noch einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir wünschen, dass von irgendwoher, gerne auch aus mir selber, irgend ein Hinweis oder ein Wink kommen würde, wie meine Hautproblematik in mein Leben zu integrieren oder/und zu heilen wäre. Keine Spekulationen, keine Ratschläge. Davon habe ich ja genug. Seit 15 Monaten nun sind meine Hände entstellt, seit zwei Tagen auch wieder mein Gesicht. Universum, kann es sein, dass auch meine Augen Schuppen haben, die bloss fallen müssen?