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Mittwoch, 31. März 2021

90/365 meinen oder nicht meinen

Der Kollege, dem ich gestern per Zufall beim Einkaufen vor dem Brotregal begegnet bin, hat mich "Streberin" genannt und mir gut gemeinte Tipps gegeben zum Herunterfahren und alles nicht so ernst nehmen.

Er hat mich getroffen, sogar etwas verletzt, denn ich hatte ihn weder um seine Einschätzung meines Berufs-Ichs noch um Tipps gebeten. Dieser bittere Beigeschmack, den dieses Streberattribut hat, hat mich schon in der Oberstufe der obligatorischen Schulzeit begleitet, als ich total fasziniert von der Mathematik manchmal kaum den Weg ins Bett fand, sondern noch eine Aufgabe und noch eine zu lösen versuchte und entsprechend gespannt, aktiv und wissensdurtig im Unterricht sass.

Ähnlich fasziniert und aktuell auch etwas frustriert stehe ich vor der Planungsaufgabe eines neuen Quartals. Ich versuche vom Kind aus zu denken, dann vom Lehrplan, dann vom Stundenplan... Noch passt das alles nicht zusammen. Ich kann nicht fertige Lektionen aus dem Netz ziehen und abhalten. Aber bin ich deshalb eine Streberin? 

"Der hat das doch nicht so gemeint!", würde wohl jemand sagen, würde ich von dieser Begegnung erzählen. Deshalb erzähle ich niemandem davon, denn auf diesen Satz bin ich derart allergisch, dass meine Haut postwendend reisst. (alte Geschichten...)

So stand ich heute sinnierend und der Bitterkeit nachspürend am Fenster und schaute über den Schulhof, übers Dorf, in den explodierenden Wald, und wurde dabei aufmerksam auf ein Taubenpaar, welches im Baum vor dem Fenster offenbar eben begonnen hatte, ein Nest zu bauen. Zuerst war davon noch nichts zu sehen. Doch das Männchen (ich habe es dafür gehalten) kam ständig mit Ästchen geflogen, übergab sie seiner Parnerin, welche dann zu zupfen, schieben und bauen begann. 


 

Als dann eine Gruppe von Jugendlichen kam, dröhnend laute Musik laufen liess und der Basketball ständig gegen das nahe Brett donnerte und auf dem Steinboden aufschlug, hörten sie damit auf.

Ob sie sich einen ruhigeren Nistplatz suchen werden oder morgen früh weiter machen, wird sich zeigen. Es wäre wundervoll, denn wir könnten aus dem Klassenzimmer direkt in das Nest sehen.

Dienstag, 30. März 2021

89/365 Erklärung

Verliebtheit ist ganz nüchtern erklärbar, habe ich gestern auf dem Nau-Bildschrm im Tram erfahren. Bin fast etwas enttäuscht.
Ein Welpe kann Muttergefühle auslösen. Schauen Sie Ihrem tierischen Freund direkt in die Augen, steigert sich in Ihrem Körper der Gehalt des Bindungshormons Oxytocin.

Montag, 29. März 2021

88/365 Spiegelkloss

Aussen ist es immer noch Frühling in seiner Wunderform, nur viel wärmer als letzte Woche.

Innen kommt der Zauber heute nicht an. Grund dafür mag ein Film sein, den ich gestern zu schauen begonnen habe und heute über den Tag in kleine Häppchen verteilt weiter und fertig geschaut habe.

Eigentlich ist es eine Alltagskomödie, doch mir ist das Lachen im Hals sehr bald stecken geblieben. Da wird jedes einzelne Klischee bedient, dass es in dieser Häufung weh tut. Und es ist ein Spiegel in dieser Geschichte drin, in den ich nicht schauen möchte und es doch fortwährend tue. Ich möchte dem Spiegelbild in den Hintern treten und spüre nichts als den Schmerz im eigenen Fuss. Und während ich mich um meinen Fuss kümmere, gleitet die Geschichte in ein Happy-Picknick-Ende und lässt mich konsterniert zurück.

Muss man sich nicht antun, ich habs trotzdem getan. Hier

Sonntag, 28. März 2021

87/365 Keimhaftes

Es ist schon seltsam. Seitdem der Sohn in Zürich, die Freundin des anderen Sohnes, deren ganze Familie, die Kollegin und ihre Familie, diese Bekannte und die Freunde von jenen positive Testresultate, Isolation und Quarantäne durchlebt haben, Menschen, mit denen ich während der Zeit rege Nachrichten ausgetauscht habe, mit denen ich sogar online gearbeitet habe, hat sich das Gespenst irgendwie aufgelöst. Es ist ein Alltag eingekehrt, der zwar flankiert ist von vielen Massnahmen und Einschränkungen, nach deren Ende sich alle sehnen, aber es keimt wieder Vertrauen, immer öfter wird wieder mit Humor gewürzt, die Blicke beginnen sich wieder zu treffen, manchmal ist sogar ein Lächeln unter der Maske zu erahnen, ältere Menschen sind wieder vermehrt unterwegs und haben die Angespanntheit abgelegt.
Ich beginne zu verstehen, was mit dem "sozialen Ende einer Pandemie" gemeint sein könnte.

Samstag, 27. März 2021

86/365 Frühling, ja du bist's

Es war ein Zaubermorgen heute, einer voll von diesen seltenen Stunden im Jahr, in denen du kaum zu atmen wagst, weil du den Frühling nicht stören willst bei seinem Erwachen, einer, der das erste Grün über die Waldränder legt, einer, der die dunklen, harten Schwarzdornbüsche strahlend weiss aufleuchten lässt, einer, der mit der Kraft der Zartheit dichtet, einer, der duftet nach Verheissung.
Es sind mir die liebsten Stunden des ganzen Jahres, für die ich die Sommerhitze, den Herbstabschied und die Winterdunkelheit in Kauf nehme.

Freitag, 26. März 2021

85/365 Verliebt

Das hätte ich nie für möglich gehalten: Die Sozialpädagogin, die in meiner Klasse mitarbeitet, hat heute als Überraschung für die Klasse ihren kleinen Hundewelpen mitgebracht. Tollpatschig und neugierig, aber auch vorsichtig hat er uns beschnuppert, sich füttern lassen, alle "Jöööö"s und "Wow"s und "`soooweich"s über sich ergehen lassen. Nach etwa 10 Minuten hat er sich ganz erschöpft hingelegt und wäre wohl am liebsten auf der Stelle eingeschlafen.
Er hat eine Ausbildung zum Sozialhund vor sich und wird vielleicht irgendwann sein Frauchen bei ihrer Arbeit unterstützen.
Was ich aber eigentlich sagen wollte: Bis vor sehr kurzem hätte ich es nie für möglich gehalten, dass ich mich in einen Hund so etwas wie verlieben könnte.

Donnerstag, 25. März 2021

84/365 Heute

Augenblicke: 

  • Meine Klasse, die im Wald nach Ostereiern sucht
  • Ein Zitronenfalter, welcher zwischen den Stämmen umhergaukelt
  • Die Morgenstimmung auf dem Schulweg

Ohrenmomente:

  • Ein Specht, dessen Klopfen durch den Wald hallt 
  • Das Lachen an unserer Abendtischrunde
  • Die Ruhe hier, wo ich wohnen darf

Tasterfahrungen

  • Steine mit Moos umwickeln
  • Die gespannte Haut einer Peperoni
  • Die feucht-glitschigen Steine auf dem Weg

Riecherlebnis

  • Rauch am Feuer
  • Rauch in den Kleidern
  • Rauch beim Rucksackausräumen

Geschmacksfreuden

  • Kamen definitiv zu kurz