Heute kann ich das Erinnern erfolgreich verdrängen, trage Schicht um Schicht Ferienschreibtischberge ab, erschrecke manchmal, was diese für überfällige Überraschungen bereit halten, gucke hie und da aus dem Fenster und hole kurz vor Sonnenuntergang ein paar Blicke herein.
Es sieht so faszinierend dramatisch aus, wie da eine gelbgraue Front auf uns zuzurollen scheint.
Plötzlich beginnt es zu schneien, und fast gleichzeitig bricht die Sonne durch die Wolkenberge. Flockentanz im Gegenlicht sollte das sein, war das.
Seltsamerweise ist davon nichts zu sehen und zu spüren, wenn ich mich um 180° drehe. Dieses Bild ist am gleichen Ort und minutengleichzeitig entstanden. Fast kollegial sehen wir aus so nebeneinander, die Buche und ich.
Wie sehr Schatten täuschen können, zeigt der Blick nach oben.
Es leben Fragen in mir, die sich manchmal aufbäumen wie Wolken und manchamal aufleuchten, wenn sie berührt werden vom Licht.
Manchmal wünschte ich mir ein Gegenüber, dem ich die Fragen stellen könnte, aber etwas in mir weiss genau, dass jedes sehbegabte Gegenüber mich auf meine innere Stimme verweisen wird.
"(...) und ich möchte Sie, so gut ich es kann bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben, wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie jetzt nicht leben könnten." aus einem Brief von R. M. Rilke




