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Sonntag, 1. April 2018

Ei, Ei, Ei

Ons
 
zwO

 
drO


Wie gut es uns geht! Wenn man den reich gedeckten Tisch ansieht, die vollen Osterkörbchen, die Osterreisepläne, die Fülle an Möglichkeiten, die Freiheit zu denken..., dann nutzt man diese Freiheit für die Frage, warum dann nicht lauter Zufriedenheit und Dankbarkeit aus uns leuchtet.

Freitag, 30. März 2018

Sonnenbrand


Donnerstag, 29. März 2018

angeknüpft

Unglaublich, was unser Körper speichert an Erinnerung, vermutlich unendlich viel mehr und prägender, als wir ahnen können.

Vorerst jedoch geht es nur um das neue Schulzimmer, welches wir jetzt in den Ferien beziehen und einrichten. Ich habe mit meinen Kindern besprochen, dass ich den Hängestuhl, welcher lange Zeit Teil unseres Familienlebens gewesen ist, nun aber seit Jahren im dunklen Keller hinter Kisten liegt, ausleihen und im Gruppenraum unseres Klassenzimmers aufhängen darf. Heute habe ich ihn frisch gewaschen und noch nass hingebracht. Das war alles ganz konzentrierte Arbeit: Seil knoten, Knoten prüfen, Haken prüfen, Leiterakrobatik, bis die Höhe über Boden stimmt, verhedderte Schnüre entwirren und in sich neu drehen... 
Zum Schluss möchte ich den fertig gerichteten Stuhl probesitzen, obwhl er noch ziemlich feucht ist. Ich ziehe mir die vorderste Stoffbahn zurecht und lasse mich hineinsinken. Und in dem Moment ist alles da. Verrückt! Wie ein Film oder mehr noch wie ein Zeitsprung. Jede Faser meines Körpers scheint sich zu erinnern an das Schaukeln, an die Spannung des Tuches unter meinem Körper, an den Säugling an meiner Brust, an das Fäustchen um meinen Finger, aber auch an das Kind, welches auf meinen angezogenen, gekreuzten Beinen sitzt, das Bilderbuch vor uns, seine feinen Haare dicht an meinem Gesicht.
So unvorbereitet intensiv erfasst mich das alles, dass es mich einfach nur schüttelt. Irgendwann stehe ich auf, spüre die Feuchtigkeit in meinen Kleidern, versorge die Leiter und packe meine Sachen zusammen. Fasziniert und nachdenklich gehe ich durch den Regen. Was auf der Zeitachse längst Vergangenheit ist, lebt in meinem Körper abrufbar als Gegenwart. Was heisst das für mich als Pädagogin? 
Vielleicht wird der neue alte Sitzplatz für mich zum Vertiefungsort in Mittagspausen?


Mittwoch, 28. März 2018

ungeschrieben beigepackt

Beim Bündeln des Altpapiers fällt mir die Packung sammt Beipackzettel meiner Salbe in die Hände. "Bitte lesen Sie sorgfältig", steht auf der Vorderseite des klein zusammengafalteten, dünnen Papierbogens. Warum ich es tatsächlich tue? Vielleicht bin ich es zusehr gewohnt, solchen Aufforderungen nachzukommen... Und immerhin streiche ich mir diese Paste nun seit bald drei Monaten auf Hände und Augenlieder.
Da knie ich also auf dem harten Steinboden, und Minute um Minute wird mir fahler und flauer, und als ich das Papier schliesslich zwischen alte Kataloge und Zeitungen schiebe, ist mir eines klar: Ich habe diesem Produkt Beschwerdenfreiheit zu verdanken und bin auch tatsächlich dankbar für diese Phase, in der ich aufatmen und mich erholen konnte, in der ich im Wortsinn wieder handlungsfähig geworden bin, aber Heilung ist das nicht. Die Oberfläche hat zwar aufgehört zu schreien, aber was darunter geschieht, zeigt sie nicht. 
Das steht zwar nicht im Beipackzettel: Aber ich werde nicht aufhören, tiefer zu lauschen, zu fühlen und zu fragen. Und ich möchte nicht abhängig werden von etwas, was seitenweise Warnungen notwendig macht, um den Pfad des Schmerzes zu umgehen.

Sonntag, 25. März 2018

Begegnung

Der Rückweg am Abend führt durch ein Wohnquartier, in dem sich ein individuelles, originelles, spezielles Haus an das nächste reiht, in gutem Abstand voneinander gehalten durch verwunschene, grosse, Gechichten erzählende Gärten. Vor bald einem Jahrhundert hat man dem Kulturland solch grosse Grundstücke abgerungen und so die Dörfer bis an die Ränder der Wälder wachsen lassen. Jedes Mal, wenn ich hier vorbei komme, spüre ich ein leichtes Erschaudern beim Erahnen dieser Menschen, welche hier gebaut haben. Sie müssen eine neue Vision vom Leben gehabt haben, den Mut gespürt haben, Konventionen zu sprengen, aufzubrechen, Menschsein neu zu denken. So jedenfalls erzählen mir die ungewohnte Architektur, die alten Bäume, die Art, wie Wege angelegt sind, ja selbst die gelben Krokusse, die ja ihre Köpfe erst vor wenigen Tagen aus der Erde gesteckt haben.
Ich schlendere bergabwärts. Mein Bus wird erst in 30 Minuten fahren. Ich habe Zeit, durch die Gartentorbögen zu blicken, mir Geschichten auszudenken zu den bemoosten Sitzgruppen unter Nussbäumen, den Vögeln zu lauschen, welche wohl damals ähnliche Melodien gesungen haben, den Menschen kurz nach dem ersten grossen Krieg jedoch mit ihrem Gesang andere Inspirationen geschenkt haben.

Vor einem Haus steht ein altes Weiblein mit buntem Kopftuch und Wollrock vor der Haustüre und gestikuliert irgendwie mit ihren Armen. Ich sehe es zuerst nur aus den Augenwinkeln und kehre noch einmal zurück, weil ich nicht sicher bin, ob sie mir gewunken hat.
Mein Gruss zieht sie an den Gartenrand und schon stecken wir mitten in einem Gespräch. Ich spreche mit einer fremden Frau voller Leben, bestimmt neunzige Jahre haben ihre Spuren in dieses Gesicht gegraben, sie spricht mit einer Frau, die sie zu kennen scheint, denn alles, was sie sagt, scheint anzuknüpfen an unsichtbare Fäden. Fasziniert schaue ich in ihre winzigen, leuchtend blauen Augen, welche aus zwei der unzähligen tiefen Furchen hervor blitzen und mit ihrem Lachen dem Strahlen des Frühlingsabend in nichts nachstehen.
"Wissen Sie", sagt sie, "ich sage immer: Ich bin zum ersten Mal alt, ich weiss noch nicht, wie das geht." "Fühlen Sie sich denn alt?" wage ich zu fragen. "Ich selber habe mir mit 20 meine Vorstellungen gemacht, wie alt man sich mit 50 fühlen muss. Aber jetzt von innen erlebe ich mich genauso jung wie damals. Ich kann mir gut vorstellen, dass das mit 80 genauso ist." Sie lacht laut. Sie lacht sowieso die ganze Zeit, untermalt ihre Sätze mit fröhlichen Gebärden. "Ich schaue manchmal in den Spiegel und sehe dort jemanden, der überhaupt micht zu dem passt, den ich innerlich wahrnehme! Aber bei der Arbeit, da merke ich es manchmal. Da wird mir auf einmal schwindelig und ich verliere kurz das Bewusstsein. Das stinkt mir. Ich war ein Leben lang nie krank. Da fällt es nicht so leicht, sowas zu akzeptieren." Darf ich denn fragen, wie alt Sie sind?" Wieder dieses lustige Lachen im verschmitzen Gesicht. "Natürlich dürfen Sie fragen!" und sie beginnt über etwas ganz anderes zu reden. Ich weiss nicht, ob sie meine Frage nicht verstanden hat oder ob sie mit Absicht darüber hinweg geht. "Sie wissen ja", erklärt sie später, "dass Steiner gesagt hat, der Ätherleib sei das einzige am Menschen, was im Laufe des Lebens jünger wird, flüssiger. Ich verstehe das jetzt immer besser!" Sie scheint zu tanzen, sieht wohl nicht mein leises Kopfschütteln, weil ich nicht weiss, was sie denkt, ich würde es wissen. "Auf jeden Fall wirken sie unglaublich jung!" bestätige ich, und ich meine es genauso, wie ich es sage. 
Unterdessen sind mehrere Menschen an uns vorbei gegangen. Alle hat sie herzlich begrüsst, und als ich weiter gehe scheint es mir, als würden helle Spuren von gelöster Freude von ihr wegführen und jene begleiten, denen sie ihr Lachen geschenkt hat.

Wenn alt werden dies bedeutet, so wäre ich bereit, es zu versuchen.

Samstag, 24. März 2018

primäre Bedürfnisse

Ein unglaublich spannendes, mich zutiefst aufwühlendes Thema beschäftigt uns im heutigen Ausbildungsmodul meiner zweijährigen Ausbildung. Frühkindliche Bindung, Bindungsentwicklung, Bindungsstörungen, Bindungstypen... Ich fühle und leide gleichzeitig und wechselwirkend als Tochter, Mutter, gescheiterte Partnerin und als Lehrerin. Die Mittagspause verbringe ich alleine auf frühlingshaften Wegen, freue mich über die kraftvolle Zartheit, welche von der wärmenden Sonne geweckt wird. Ich habe mich emotional verausgabt, brauche Stille und Distanz. Am Nachmittag geht es weiter. Ich lausche der angenehmen, warmen Stimme der Dozentin, schreibe hie und da etwas in mein Buch, spüre Sätze mehr als dass ich sie verstehe, nehme am Rand wahr, wie sie in mir zu einer Art Musik zu verschwimmen beginnen und merke erst auf, als ich meinen Namen höre: "FrauWind, ich kann gut verstehen, wie es dir geht. Es gibt dort hinten einen Raum mit einer Matratze. Leg dich doch eine halbe Stunde hin." Neben der Matratze stehen eine Waschmaschine und ausgelatschte, weisse Herrenturnschuhe. Aber das nehme ich nur wie durch einen Schleier wahr.

Der trostvollste Satz in meinen heutigen, unvollständigen Notizen lautet: "Jeder Schmerz gebiert eine neue Weisheit."

Mittwoch, 21. März 2018

...

Die Temperaturanzeige am Umsteigeplatz hat 3° angezeigt. Nun spaziere ich eingemummelt in Wollschal und Winterjacke rheinaufwärts meinem Termin entgegen. Der helle Winterhimmel, welcher eigentlich ein Frühlingshimmel ist (oder umgekehrt) spiegelt sich photoblau im leicht bewegten Wasser. 

Ich sehe ihn erst auf dem Bildschirm und gucke dann erstaunt noch einmal hin. Am Ufer steht ein Fahrrad, daneben sind Kleider parkiert. Nie hätte ich gadacht, dass da draussen, wo er watet, soviel Untiefe ist.

Dann taucht er unter, verschwindet für einige Sekunden und erscheint dann flussabwärts wieder an der Oberfläche, kräftig schwimmend. 


Der wird bestimmt hundert Jahre alt.