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Donnerstag, 11. Juli 2019

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Heute habe ich...
... mich um sechs, als ich wach wurde, nochmal umgedreht und eingekuschelt, weil der Himmel bedeckt und die Luft kühl war. Es war nicht nötig aufzustehen, um das ganze Haus zu lüften.
... wieder einmal geschlossene Schuhe getragen.
... bis zum Mittag im Garten gearbeitet ohne zu schwitzen.
... den letzten Kilometer zum Bahnhof zu Fuss zurückgelegt, weil es so wunderfein regnete.
... im Regen gestanden und einfach gelauscht, geatmet, tief, tief geatmet – und bin vor Dankbarkeit beinahe übergelaufen.
... vom Sohn, der vorgestern Nachmittag bereits wieder weitergereist war, ein Video mit Meerblick erhalten (und gestern eines aus den Bergen.
)... mich in dieser Abendstunde ans offene Fenster gesetzt. Es duftet nach feuchter Erde und Rosen. Und ein kühler Wind liebkost mein Gesicht und spielt mit meinen Haaren.
... keine Wünsche mehr.

So wie in diesen Tagen ohne diese stehende, sirrende, flimmernde, brennende Luft kann ich mich erholen, erstmals wieder richtig erholen, entspannen, zur Ruhe kommen, aufatmen, nachdenken, nachspüren, weit werden. Ich glaube, letzten Sommer stand ich unter nie endendem Hitzestress, burn out.

Montag, 8. Juli 2019

Ferien!

Um 9:11 fuhren die letzten beiden Kinder auch noch weg. Seither bin ich allein – und geniesse! Keine Essenszeiten, kein Einkauf, keine Musik, kein ständiges Öffnen der Kühlschrank- und Gefrierschranktüren, kein Wühlen in den Wäschebergen, einfach nur ich und meine Bedürfnisse und Aufgaben.

Kurz vor Mittag brachte ich die Steuererklärung zur Post und kaufte mir zur Belohnung ein Eis. Damit spazierte ich auf Umwegen nach Hause, schlenderte durch Strassen, die ich seit Jahren nicht mehr benutzt hatte, durch neu gebaute Quartierteile, in denen ich mich völlig fremd fühlte, kam mit Bekannten ins Gespräch, die in ihren Gärten arbeiteten, spürte glücklich den frischen Wind auf meiner Haut, schickte von der Bank oben am Waldrand noch einen Gruss hinaus, bevor ich dann im stillen Haus beherzt die Wäsche in Angriff nahm. Dann kam die Nachricht vom Sohn, er komme heute Nacht zurück. Zuerst erschrak ich, doch dann beschloss ich, im Ferienmodus zu bleiben und ihn nicht zu bemuttern. (Daher hat es jetzt auch leider keine Milch im Haus, bis mir das nächste Mal ums Einkaufen ist... Sorry) (Rabenmutter?!)
Diese vier Tage möchte ich nun einfach in meinem eigenen Flow leben, all das auskosten, was nicht zum Alltag gehört. 
Irgendwann später – denke ich hie und da – werde ich wahrscheinlidch wehmütig an die Musik im Haus denken, an die hungrigen Kühlschrankstürmer, an den Kommunikationsort "Wäschekorb", an das Kommen und Gehen. 
Nur etwas werde ich nie vermissen, das verspreche ich mir mit aller Eindringlichkeit: Die ganzen Dramen und Komödien rund um das Thema "Einzelsocken".

Sonntag, 7. Juli 2019

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Oder dieser.

(hoffentlich nicht nur in der CH zu sehen...)

Samstag, 6. Juli 2019

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Zum Beispiel dieser da.

Freitag, 5. Juli 2019

Die erste Woche

Es ist eine echte Ferienwoche, diese erste. Ich schlafe, bis ich von alleine wach werde und stehe trotzdem früh auf, nutze die kühleren Morgendstunden, um  ein paar Dinge von meiner ewiglangen Liste in Erwägung zu ziehen. Wirklich abhaken konnte ich erst die Hecke. Die ist geschnitten. Und die Steuererklärung gibt keine weiteren Chancen für Abzüge mehr frei und wird wohl morgen ausgedruckt. Ansonsten sitze ich viel im relativ kühlen Kellerzimmer und schaue mir Filme an, heitere Geschichten, die sich jederzeit unterbrechen lassen für dies und das, was anfällt, anklopft, ansteht. So lasse ich mich durch die Tage treiben und staune, dass ich das noch kann, dass ich es darf und wie es mir gut tut.
Die drei sind etwas irritiert. An Ostern standen sie mitten im weissen Narzissenfeld, mit den Wochen wuchs Gras drüber, blühten Trockenwiesenblumen, meterhoch. Und nun ist plötzlich alles weg. Aber sie wissen, dass es weiter geht, dass es Wege gibt und Wachstum. Geduldig schauen sie den Menschen nach die kommen und gehen. Selber bleiben sie stehen. Nur ihre Schatten wandern. Und Vögel setzen sich manchmal auf ihre Köpfe und erzählen ein Bisschen von dem, was in den Köpfen keinen Platz findet.

Montag, 1. Juli 2019

Ferienwecker

Bevor ich es vergesse, wie man Wunder am Wegrand so schnell vergisst:
Gestern früh kurz vor sechs bin ich von einem Klingen geweckt worden, wie ich es noch nie erlebt hatte. Ich brauchte lange, um mich in diesem grossen aber zauberhaft leisen Klangraum zurecht zu finden. Und dann lag ich da und staunte. Der ganze Lindenbaum, unter dem ich geschlafen hatte, war erfüllt von Summen. 
Heute ist er still, als wäre es auch den Bienen zu heiss...

Samstag, 29. Juni 2019

Gefühlssalat

Das ist er nun, der erste Ferientag. Noch warte ich auf das herrliche Gefühl der Erleichterung und Vorfreude. Es ist alles so normal, nüchtern – allenfalls schmerzhaft, obwohl ich voller Geistesgegenwärtigkeit und Vernunft versuche, den Schmerz in seine Schranke zu weisen und mir von ihm den Weg in die neuen Chancen zeigen zu lassen, mit mässigem Erfolg.
Es wird mir an einem solchen Tag sosehr bewusst, wie jedes Jahr deutlicher und definitiver aus der Familienzeit herausführt. Es gibt keine Zeugnisrituale mehr, kein gemeinsames Durchblättern der gesammelten Kunstwerke am Ende des Schuljahres, keine glücklichen Kinder, welche sich barufuss auf der gemähten Wiese tummeln, bis es dunkel wird, kein aufgeregtes Packen für das erste Lager. Der Abschied vorhin war kurz und pragmatisch. Nach wohl etwa 70 Lagern vermag keine Sentimentalität mehr aufkommen. 
Es gibt auch keine Familientage, auf die man sich gemeinsam freuen mag. Die Einzige, die mit mir in die Berge kommen muss, findet das ziemlich öde. Ich versuche mein Recht einzufordern, als Familinemanagerin wenigstens die verschiedenen ungefähren Reisezeiten und -ziele erfahren zu dürfen. Vor mir liegt die Steuererklärung, Berge und Listen von unerledigter Korrespondenz. Die Hecke muss geschnitten, die Stauwinkel der vergangenen Monate entrümpelt, das WG-Zimmer der Tochter geräumt und die Kisten irgendwo untergebracht werden. In einem Paralleluniversum gibt es diesen Klinikalltag, der nun seit bald drei Monaten der Prüfungsort von Lebenskräften ist und auf intensive Weise das Nebeneinander von Bodenhaftung und Offenheit für das Unfassbare fordert, auch von denen, die begleiten. Und der Vater der Kinder reist heute mit seiner neuen Familie auf die Insel, die sich die eigenen Kinder immer gewünscht hätten. (Bitte keine Gefühle jetzt!!!) 

Es ist ein Tag, der daran erinnert, dass alles sich immer verändert, dass Festhalten unfrei macht und dass die Sehnsucht nichts anderes ist als ein Wegweiser zu den eigenen Wunden. Es gab eine Zeit, da erlebte ich Heilung als Geschenk, das sich aus der Verbindung der wirkenden Bezügen entwickelte. Diese Zeit ist vorbei. 

Was ist schon Zeit?
Was sind drei Jahre?
Was sind 18 Jahre?
Vor 18 Jahren habe ich den ältesten Sohn zu seinem ersten Schultag durch dieses Tor begleitet. Vorgestern bin ich zum letzten mal als Schülerinnenmutter da durch geschritten – zum Abschiedsfest der 9. Klasse.
Und jedem Ende wohnt ein Zauber inne. ;)