Einmal mehr gehöre ich zu den unglaublich privilegierten Menschen zur Zeit, und ich hoffe, dass dieses Geschenk zumindest den Schülerinnen und Schülern und ihren Familien zugute kommt, weil ich Raum habe, den Fernunterricht sorgfältig vorzubereiten und im Gespräch zu bleiben.
Nicht nur, dass wir auf dem Land in einem Haus mit Garten leben, von wo wir ohne Menschenkontakt in den Wald gelangen können, wir sind auch als grosse Gemeinschaft hier. Eigentlich sprengen wir die vorgeschriebene Gruppengrösse, aber als Familie haben wir keine Alternative. Die jungen Menschen mit ihrer unglaublichen Fähigkeit, in jeder Situation die Chance zu suchen, jammern nie und ertragen es auch nicht gut, wenn ich es tue. Sie machen sich bei jeder Schwierigkeit sofort auf die Suche nach einer Lösung und sind energievoll und kreativ unterwegs. Von dieser Energie umgeben zu sein, ist wohl das grösste Geschenk. Ausserdem muss ich nicht um meinen Job bangen und gehöre nicht zur Risikogruppe.
Immer wieder führen wir uns vor Augen: Wir sind nicht eingesperrt, weil Bomben fallen, sondern um andere Menschen zu schützen. Wir halten nicht Distanz, weil wir verfeindet sind, sondern weil wir uns Sorge tragen. Mein Älterster ist nicht im Militär um zu kämpfen und sein Leben zu riskieren, sondern um dort anzupacken, wo es junge Kraft am meisten braucht.
Der einzige Preis, den ich bezahle, ist die Tatsache, dass dieses Händewaschen und -desinfizieren meine Haut total kaputt macht.
Ob es Sinn macht, das hier zu schreiben? Ob LeserInnen, die in einer engen Stadtwohnung alleine auf das Ende dieser Zeit warten, sich nicht noch verlorener fühlen, wenn sie das lesen? Ich versuche, für einige Zeit die Kommentarfunktion offen zu lassen, die Distanz, die ich mir hier als eine Art Selbstschutz aufgebaut habe, etwas zu lockern. Vielleicht kann ich dadurch die Antwort auf diese Frage besser spüren.
Alles Gute!