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Freitag, 30. April 2021

120/365 so ein Tag

Mein /365-Projekt stösst immer wieder an meine Kapazitätsgrenzen, vor allem dann, wenn nach einem Arbeitstag auch zu Hause eine notwendige oder persönliche oder lustige Situation Zeit und Raum des Abends einnehmen. Dann sitze ich wie jetzt irgendwann spät noch vor der Tastatur, voll von Notwendigkeiten oder persönlichen Geschichten, welche nicht windwortetauglich sind, aber leer von Kreativität.

Und eben kommt in diese Leere und Überfülle hinein ein weteres "Kind" nach hause, rechnet mir sein Wochenende vor und den Prüfungsschnitt der letzten zwei Wochen. Ich liebe mein Leben.

Aber in diesem Moment fühlt es sich an, als wäre selbst der Weg ins Bett zu lange. Gute Nacht.


(Für alle, welche noch Lust auf eine echte Geschichte haben: Ich habe sie eben hier gefunden und gehe nun schmunzelnd und zumindest für den letzten Weg heute gestärkt zu Bett!)

Donnerstag, 29. April 2021

119/365 Fridolin

Dass es ausgerechnet ein Dackel ist, der den Durchbruch schafft, überrascht mich – und doch auch wieder nicht. Zum Abrunden eines fleissigen Unterrichtsmorgens vorlesen: Das war meine Vorstellung, mit der ich seit mehr als drei Jahren scheiterte. Es hatte daher wieder einmal mit Schattenspringen zu tun, als ich mich dazu entschloss, die Lektüre der Geschichte an den Anfang des Morgens zu stellen. Und weil in dieser Klasse ständig Hunde über die Wege laufen (das wäre ein Thema für sich), wählte ich die uralte Geschichte von Fridolin, dem Dackel.

Als Kind habe ich das Buch mehrmals gelesen, den eigenen Kindern habe ich es vorgelesen, und nun ist es nach einer längeren Vergriffen-Pause neu aufgelegt worden und steht im Regal neben den Klassikern der Kinderliteratur. Vieles muss ich den Kindern erklären: Dass man im Zug früher die Fenster öffnen konnte, was ein Schrubber ist, dass es eine Zeit gab, in der der Milchmann die Milch in einer Kanne transportierte und direkt an die Haustüre brachte, dass man früher mit einem Telefon nicht umhergehen konnte und sovieles mehr. 

Aber das scheint niemanden zu stören. Die Faszination der Kinder ist unglaublich, und es ist wirklich so, dass ich sie zum ersten Mal verzaubert erlebe, dass sie mitgehen mit dem Blick, mit den Bewegungen, dass sie zusammenzucken, wenn Fridolin erschrickt, dass sie lachen, wenn sie nach einem Abenteuer entspannen können. Und sie sind sooo enttäuscht, wenn ich das Buch jeweils schliesse.

Ich erlebe, dass diese Momente weit mehr sind als entspanntes Abrunden eines mit Wesentlichem gefüllten Morgens, es ist Nahrung für durstige und hungrige Kinderseelen, und ich werde aus diesem Experiment ein neues Konzeptchen für meinen Unterricht machen und bin gespannt, welche Hunde, Hexen, Wassermänner, Ballonfahrer, Samse und andere Wesen sich in den nächsten Jahren zu uns gesellen werden.

Mittwoch, 28. April 2021

118/365 Geburtstagsdüfte

Um 6 Uhr war die erste Ladung Hefeschnecken im Ofen und das Haus, in dem gleichzeitig aus drei Zimmern Wecker piepsten, zwitscherten, tönten..., erfüllte sich mit einer wunderbaren Verheissung. Als ich 90 Minuten später ins Schulzimmer kam, fand ich diese Überraschung, Freude für alle Sinne. 

Und kurz vor Unterrichtsbeginn brachte mir eine Kollegin einen frisch geschnittenen Tulpenstrauss vom Blumenfeld.
Vor der Pause kam eine andere Kollegin, welche heute frei hat, mit einem lauwarmen, selbstgebackenen Kuchen in die Klasse, und in unserem improvisierten Corona–Lehrerinnenzimmer dann schenkte eine Kerze feierlich duftende Stimmung.

Zum zNacht bin ich von den Töchtern verwöhnt worden, und jetzt strömt durch das offene Fenster dieser wunderbarste aller Düfte herein: Frischer Regen auf trockene Böden und Pflanzen, unverwechselbar einzigartig, aber kaum zu beschreiben.

Ich bin sehr, sehr dankbar.

Dienstag, 27. April 2021

117/365 Nichts

Heute bin ich am Nachmittag in der Schule eingeschlafen. (Natürlich in der unterrichtsfreien Zeit!) In mir ist soviel Müdigkeit. Was ich an diesem Nachmittag ausser schlafen geschafft habe, hätte wohl in 20 Minuten Platz gefunden. Da war und ist soviel Langsamkeit und Stillstand. Ich habe die längste Zeit den Pflanzen beim Wachsen zugeschaut und dem Sonnenlicht, welches sich in einem Dachfenster des Quartiers spiegelte und direkt auf die Tafel fiel, dorthin, wo bestimmt noch kaum je Sonnenlicht gefallen ist. So ein Tag war das. Man könnte sagen, ich hatte lange Weile, fühlte aber keine Sekunde davon Langeweile. Seltsam? Verrückt? Hm.

Montag, 26. April 2021

116/365 Ach Frühling

Das mit dem blauen Schmetterling gestern, das war kein Fundstück, das war eine Notlösung. Ich war auf der Suche nach einem Frühlingsgedicht, eines, welches sich stimmig anfühlen würde im Bezug auf den aktuellen Frühling. Ich las von blauen Bändern, von Fülle und Farbe, von Liebe und Lust, von Hoffnung und Träumen. Doch mein Frühling hier draussen, der kam in keinem der Gedichte vor. Nirgendwo fand ich Trauer über Bäume, welche nicht mehr ausschlagen, über Risse im Boden und halb ausgetrocknete Weiher, über Birken, die nur noch mickerige, kraftlose Blättchen in den Wind halten, nichts war zu finden von Schwalben, welche nicht zurückkehren und Bienen, die einsam auf Nektarsuche sind.
Und dann begegnete ich dem Schmetterling, dem zweiten in diesem Jahr. Der erste gaukelte vor einem Monat als Zitronenfalter durch den Wald. Seither ist der Frühling durstig still.
Einmal mehr wünsche ich mir zum Geburtstag nichts anderes als einfach nur Regen, diese nährende Illusion, dass doch alles nicht ganz so hoffnungslos ist.

Sonntag, 25. April 2021

115/365 Blauer Schmetterling

Flügelt ein kleiner blauer 

Falter vom Wind geweht, 

Ein perlmutterner Schauer, 

Glitzert, flimmert, vergeht. 

So mit Augenblicksblinken, 

So im Vorüberwehn 

Sah ich das Glück mir winken, 

Glitzern, flimmern, vergehn.

 Hermann Hesse, 1927

Samstag, 24. April 2021

114/365 nicht mit rechten Dingen

Es gibt da ein sehr seltsames, verstörendes Phänomen in meinem kleinen Bloggeruniversum. Schreibfehler Finden ist ja Teil meiner Berufskrankheit. Ich habe längst aufgehört zu zählen, wieviele Arbeiten ich schon korrekturgelesen habe. Logischerweise schaue ich auch kritisch auf jeden Text hier, bevor ich ihn veröffentliche und lese ihn zur Sicherheit immer auch gleich nochmal im Blog.
Und dann komme ich am nächste Morgen wieder – und finde einen Fehler. Das geschieht mit so grosser Regelmässigkeit, dass ich mir oft überlege, ob jemand mit mir ein Spiel spielt, mich necken will, bis ich rufe: "Ich hab dich gesehen! Du sitzt nachts in meinem Account und löschst einen Buchstaben!" 
 
Hiermit hätte ich dann gerufen. Spielende!