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Montag, 29. April 2019

Weiter

In solchen Momenten wird spürbar und erlebbar, wie ein Team trägt.
Diesmal war es umgekehrt: Zurückzukommen in die Schule fühlte sich an wie Entspannung nach zwei anstrengenden Wochen. Sie haben mich verändert, die Erlebnisse dieser Tage, mich und wohl alle, die involviert waren und sind. Und was mich beeindruckt: Eingentlich jede, die mitbekommt, was ich erlebt habe, kennt wenn nicht in der Familie so doch im Freundeskreis ähnliche Geschichten. 
Es ist nicht selbstverständlich, gesund zu sein und belastbar, und die geraden Wege scheinen eher die Ausnahme zu sein.

Freitag, 26. April 2019

Dankbarkeit

Heute bin ich dankbar. Teif, still, staunend dankbar.
Es ist schwer zu benennen. Die Kraft, die von allen Seiten herströmt, trägt, entspannt ist fühlbar, durchsichtig hell. Etwas verändert sich. Keine Ahnung, wo der Beginn ist, das ist auch nicht wichtig.  Es ist in der Frequenz des Staunens. Und dort wird das Vertrauen geboren. Dort endet der Kampf.
Vielleicht hat Hilde Domin etwas ähnliches gefühlt, als sie dies schrieb:

Nicht müde werden, 
sondern dem Wunder leise 
wie einem Vogel 
die Hand hinhalten.

Donnerstag, 25. April 2019

Einspielung

Es ist ja nicht das erste Mal in meinem Leben, dass auf den Schock des ersten Momentes das Realisieren kommt, die Notwendigkeit zu agieren, sich zurecht zu finden, zu akzeptieren, den nächsten Schritt zu gehen, loszulassen, was geplant und erhofft war. So manches hat sich eingespielt, Wege sind vertraut geworden, Kommunikationswege innerhalb des mittragenden Netzes funktionieren, neues Erschrecken fällt in erprobtes, aufgewecktes System, beim Telefonieren muss nicht mehr ein Einleitungserklärungsprolog vorausgeschickt werden, weil man einen kennt. Nur etwas scheint unveränderbar: Diese Trauer, dieses unglaublich schmerzhafte Mitfühlen mit einem geliebten Menschen, der kämpft wie eine Löwin gegen den Rest der Welt.
Ich versuche immer wieder, nicht mitzukämpfen, sondern einfach da zu sein, still, geduldig, vertrauensvoll, vor mir und in mir der unzestörbare, leuchtende Kern dieses Wesens, das sich einst mir und dieser Erde und ihrem Geschenk des Lebens anvertraut hat.
Am Montag will mich mein Beruf zurück. – Welten... –

Mittwoch, 24. April 2019

Standort

"Und Sie, haben Sie jemanden zum Reden?"
Das war die Frage, nachdem der Sturm der letzten Tage in Fesseln gelegt war. Ich weinte sosehr, dass ich noch zwei Stunden später, als ich mir in der Schule in einem Spiegel gegenüber stand, erschrak über das gerötete Gesicht, das mich da anstarrte. 
Bei 1x1 und Verbenspielen kam ich innerlich zur Ruhe, soweit, dass ich mich mit der Raumpflegerin über deren Reinigungserfahrungen in der Aufbahrungshalle am Friedhof unterhalten konnte, während sie den Schmutz des letzten Schultages vor 10 Tagen zusammen schob. 
Dass kurz darauf das erste Gewitter dieses Jahres Grollen und Poltern übte, kam mir vor wie eine verständnisvolle Umarmung des Himmels. 
Der Wald ist jetzt grün.

Sonntag, 21. April 2019

Osterwege

 zu den Narzissen.
Das "frohe" habe ich heute einfach übersehen. Obwohl: Dass ausgerechnet in meinen Bus eine liebe Bekannte einstieg und mich, als sie von meinem Ausflugsziel hörte, wortlos in den Arm nahm, das war schon sehr, sehr schön und lösend, tränenlösend, österlich.

Samstag, 20. April 2019

vorösterlich

Das ist nun Osterfrühling wie aus dem Bilderbuch. Wundervoller könnte es wohl kaum sein.
Doch in mir drin ist es zentnerschwer. Es fühlt sich so grausam an, zuschauen zu müssen, wie ein geliebter Mensch sich scheinbar auflöst. Die Ohnmacht raubt mir den Atem. Mein Körper sendet eindeutige Signale, die ich nicht wirklich berücksichtigen kann. Beim Anruf in der Arztpraxis hiess es am Mittwoch, sie seien voll bis Ende April. Notfall mag ich nicht. Wird schon werden. Nächste Woche muss ich ein langes Sommerquartal vorbereiten und weiss nicht, aus welchen Zeit- und Kraftreserven schöpfen. Die werden momentan an so völlig anderem Ort gebraucht. Und ringsum die jungen Menschen mit ihren eigenen Plänen. Es ist ja auch schön, das alles zu sehen, an Verständnis mangelt es mir nicht, aber Mittelpunkt einer Zentrifuge zu sein ist eine Herausforderung für sich. 

So. Es reicht wieder. Jetzt ein paar schöne, wenn auch schlechte Bilder. Ich sehe das schon auch:

Den Lindenbaum, wie er kurz vor der Battschlüpfung steht,
 Den Wald im Morgenlicht in seinem allerjüngsten Grün,
 Einen Garten voller Hoffnungsweiss...

Donnerstag, 18. April 2019

Geburtstagswege

Gestern jährte sich Mirjams Geburtstag zum 12. Mal. Es hat mich sehr berührt, wieviele Menschen daran gedacht haben. Danke! Die jüngste Tochter, welche sich kaum mehr an ihre kleine Schwester erinnern kann und doch tief geprägt ist von allem Geschehen rund um deren zwei kurze Lebensjahre, und ich machten eine Geburtstagsreise hinauf in unser Sommerbergtal, dorthin, wo wir vor genau 9 Jahren die Steine für das Grab gesucht haben.
Es war ein wundervoller Winterfrühlingstag, wie man ihn unten bei uns nicht erleben kann. Die Sonne hatte richtig viel Kraft. An den südlich gerichteten Hängen spriesste das junge Gras, blühten ganze Felder von Narzissen, während die gegenüberliegende Talseite noch unter hohen Schneemassen im Winterschlaf zu liegen schien.
Unser Weg verlief direkt auf dieser Grenze. Ohne auch nur einen einzigen Schritt zu machen, konnten wir den Übergang, das Erwachen des Frühlings beobachten.
Rechts von uns im Schatten Schnee
links eben frisch geschlüpft und voller Kraft das neue Leben.
Auf Schritt und Tritt begleitete uns dieses Nebeneinander.
Am Ziel unseres Ausfluges war dann vom Frühling noch kaum etwas zu sehen, spürbar war er trotzdem, obwohl wir zum Teil bis zur Hüfte in den Schneemassen versanken. Irgendwo unter dieser Decke liegt das Steinherz.
Ich stapfte ans Bachufer und suchte 12 Steinchen.
Es war gar nicht so einfach, eine schöne Form zu gehen. Der Schnee war alt, hart und vielschichtig.
Ich bin gespannt, wo die Steinplatte in drei Montan liegen wird! 

Das Licht des Tages trug soviel Unaussprechbares.